Was wäre die Adventszeit ohne den Klang der Posaunen? Sicher nicht halb so emotional. Da können die Kaufhäuser noch so früh Jingle Bells aus den Lautsprechern schallen lassen. Erst wenn der Posaunenchor mit den klassischen Weihnachtsliedern den Weihnachtsmarkt - wie heute ab 17 Uhr - eröffnet, beginnt die Einstimmung auf das Fest. Der Posaunenchor der Luthergemeinde hat nicht allein in der Vorweihnachtszeit Saison. Meistens treten wir viermal im Monat auf, sagt Leiter Hans-Peter Dreß. Die Gottesdienste bieten eine regelmäßige Auftrittsmöglichkeit. Wir sind die tragbare Orgel der Gemeinde, so Dreß. Der Vorteil macht sich bemerkbar, wenn der Gottesdienst im Wald stattfindet. Und selbst beim Salzfest sorgt der Posaunenchor für die Musik. Höhepunkt ist das Musizieren mit Hunderten von Chören auf den Kirchentagen Frankfurt, Stuttgart, Leipzig, Berlin und 2005 Hannover. Besonders freut sich das Ensemble auf den Landesposaunentag 2005, der vom 17. bis 19. Juni in Goslar stattfindet.
Unsere Hauptaufgabe ist es, Gott zu loben, erklärt Dreß. Deswegen konzentriert sich das 25-köpfige Ensemble auf Kirchenliteratur wie Choräle und auf die Begleitung von Liedern. Aber das Repertoire reiche bis zum Blues, verrät der Musiklehrer des Goslarer Ratsgymnasiums. Und für die Weihnachtsmarkt-Eröffnung üben die Posaunisten, Tubisten und Trompeter auch Populäres wie die Weihnachtsbäckerei von Rolf Zuckowski. Weihnachtszeit. Bläserzeit ist das Notenheft überschrieben, aus dem die Bläser derzeit am meisten spielen. Denkt dabei an den Teig, wie er duftet, sagt Dreß, kurz bevor er den Takt angibt. In dieser Probe soll die Weihnachtsbäckerei den letzten Swing-Schliff bekommen. Locker bleiben ist dennoch für einige Mitspieler leichter gesagt als getan. Zur Verstärkung setzt Dreß selbst die Trompete an und dirigiert mit der zweiten Hand weiter. Zum Lippen lockern ist die wohlverdiente Pause da. Diese Empfehlung erfüllt den Kellerraum im Haus der Kirche prompt mit reger Unterhaltung. Die Bläser halten nicht nur dem Posaunenchor die Treue, sondern sich auch untereinander. Selbst die jugendlichen Laienmusiker sind bereits einige Jahre dabei, haben im Kindesalter mit dem Erlernen des Blechinstrumentes begonnen. Dazu gehört auch Trompeter Martin Beyer. Er eiferte als Siebenjähriger seinen beiden älteren Brüdern Stefan und Daniel nach, die auch im Posaunenchor anfingen. Zum Heiligabend-Gottesdienst verstärken die Geschwister das Ensemble. Die Verbundenheit hält eben an, wenn es die Männer auch durch Studium und Beruf in andere Regionen verschlagen hat. Dafür bläst nun ihre Mutter Ruth regelmäßig ins Euphonium. Als ich Martin immer her gefahren habe, war mir die Zeit zum Warten zu schade, erzählt sie. So spielen Mutter und Sohn gemeinsam im Ensemble. Insgesamt vier Familien verbindet der Posaunenchor. Allen voran die Familie Dreß selbst, die bald komplett vertreten ist.
Ehefrau Gabriele an der Posaune, die Geschwister Gesa und Jobst an den Trompeten und Leon unterstützt bald ebenfalls die Posaunen. Noch übt er zu Hause fleißig allein. Für Interessierte ergibt sich ab Januar wieder eine Gelegenheit einzusteigen. Dann beginnt der nächste Anfängerkurs.
Vier Leihinstrumente sind frei: jeweils zwei Posaunen und Trompeten. Wer sich für welches Instrument eignet, erkennt Dreß an der Lippenform. Mehr Informationen gibt der Leiter unter der Rufnummer 51687.
(Bericht der Goslarschen Zeitung am Freitag, 03.Dezember 2004, von Julia Brünner)